Kinesio-Taping
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Kinesio-Taping: Definition, Funktionsweise & Anwendung
Ursprung und Entwicklung
Das Kinesio-Taping wurde in den frühen 1970er Jahren von dem japanischen Chiropraktiker Kenzo Kase entwickelt, mit dem Ziel, Sportverletzungen durch Mobilisierung statt Ruhigstellung zu behandeln.
Seinen Weg in den Westen fand die Methode insbesondere bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking, als zahlreiche Sportler die farbigen Tapes präsentierten.
Materialeigenschaften
Das Kinesio-Tape besteht aus atmungsaktiven, dehnbaren Stoffstreifen (meist Baumwolle mit Elastananteil), die sich um etwa 130–140 % (teilweise bis 180 %) dehnen lassen – ähnlich der Elastizität menschlicher Haut. Der Acrylkleber ist wellenförmig aufgetragen und wird durch Körperwärme aktiviert. Das Tape ist wasser- und schweißresistent und kann mehrere Tage haften bleiben.
Wirkprinzipien
- Anhebung der Haut (Mikromassage): Durch die wellenförmige Struktur des Klebers wird die Durchblutung und Lymphzirkulation gefördert.
- Aktivierung der Rezeptoren: Vibrationsreize stimulieren Haut-, Schmerz-, Temperatur- und Propriozeptoren, können Muskeltonus regulieren und das zentrale Nervensystem beeinflussen.
- Schmerzlinderung und Unterstützung der Beweglichkeit: Das Tape entlastet Muskeln und Gelenke, ohne die Bewegungsfreiheit einzuschränken, und kann heilende Prozesse anregen.
Anwendungsbereiche
Kinesio-Taping wird eingesetzt bei:
- Muskel- und Sehnenbeschwerden (z. B. Zerrungen, Tendinopathien, Tennisellenbogen)
- Gelenkproblemen, posttraumatischen Schwellungen oder Instabilitäten
- Schmerzen im Rücken, Nacken, bei Migräne oder Karpaltunnelsyndrom
- Lymphödemen nach Operationen
- Sportverletzungen, Prävention und Faszien- sowie Narbenbehandlungen
- Haltungskorrektur und Stabilisierung bei Überlastung
Anwendung und Technik
Die Anlagetechnik ist entscheidend:
- Haut sollte sauber und trocken sein.
- Das Tape wird in speziellen Formen (z. B. I- oder Y-Form) passend zum anatomischen Verlauf zugeschnitten.
- Je nach gewünschtem Effekt wird das Tape mit leichtem Zug (z. B. 30–40 %) aufgebracht.
- Es kann mehrere Tage getragen werden – auch bei Sport, Duschen oder leichtem Schwitzen.
- Durch die richtige Anlage (z. B. ohne Falten, korrekter Zug) wird die Effektivität maximiert.
Vorteile und Grenzen
Vorteile:
- Ermöglicht volle Beweglichkeit bei unterstützender Wirkung
- Komfortabel, sanft zur Haut, keine medikamentöse Belastung
- Vielseitig einsetzbar im Alltag und Sport
Grenzen:
- Wissenschaftliche Evidenz ist insgesamt schwach — Studien zeigen meist nur geringe oder subjektive Effekte.
- Die Wirkung kann stark vom Placebo-Effekt beeinflusst sein.
- Nicht immer Kassenleistung — häufig nur als Selbstzahlerleistung verfügbar.
Kontraindikationen
Nicht anwenden bei:
- Allergien gegen Kleber, Hautreizungen oder offene Wunden
- Entzündliche Hauterkrankungen (z. B. Neurodermitis, Psoriasis)
- Nicht verheilten Narben, venösen Durchblutungsstörungen, Schwangerschaft im ersten Trimester
Fazit
Kinesio-Taping ist eine sanfte, vielseitig einsetzbare Methode zur Unterstützung von Heilungsprozessen, Schmerzlinderung und funktioneller Stabilisierung. Die Methode ist besonders im Sport- und Rehabilitationsbereich beliebt. Die wissenschaftliche Basis ist jedoch begrenzt, und die Methode sollte idealerweise durch geschulte Fachpersonen präzise angewendet werden.