Lymphdrainage
- Home |
- Lymphdrainage

Manuelle Lymphdrainage (MLD): Definition, Wirkung und Anwendung
Die manuelle Lymphdrainage ist eine spezielle, sanfte Entstauungstherapie, die Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe durch Förderung des lymphatischen Abflusses reduziert. Teil der sogenannten Komplexen Physikalischen Entstauungstherapie (KPE), wird sie seit den 1960er Jahren angewendet.
Im Unterschied zu klassischen Massagen zielt MLD nicht auf Durchblutungssteigerung, sondern auf Aktivierung des Lymphgefäßsystems mittels rhythmischer, kreisender und pumpender Griffe. Dabei sollen Lymphangione (Gefäßmuskelzellen) in ihrer Pumpfunktion angeregt werden
Ziel & Wirkung
- Entstauung von Ödemen: Reduktion von Schwellungen insbesondere bei Lymphödemen, postoperativem oder lipödematösem Gewebestau
- Schmerzlinderung und Lockern des Gewebes
- Immunsystem-Stärkung durch bessere Funktion der Lymphknoten
- Förderung der Heilung bei Verletzungen und Nachbehandlungen
Anwendungsgebiete (Indikationen)
Lymphdrainage wird bei folgenden Beschwerden typischerweise eingesetzt
- Primäre und sekundäre Lymphödeme
- Postoperative Schwellungen (z. B. nach Lymphknotenentfernung, Bestrahlung)
- Lipödem / Lipolymphödem
- Chronisch venöse Insuffizienz (CVI)
- Morbus Sudeck / CRPS
- Reizergüsse oder Schwellung nach Traumata
- Schwangerschaftsödeme, Migräne, Tinnitus oder Gesichtsschmerzen (Trigeminusneuralgie)
Behandlungsablauf
- Anamnese & Befundaufnahme: Patienten-Gespräch und körperliche Untersuchung
- Lagerung und Positionierung: komfortabel auf Liege, locker bekleidet
- Grifftechniken: vier klassische Grundgriffe nach Vodder – stehender Kreis, Pumpgriff, Schöpfgriff und Drehgriff, ergänzt durch individuelle Ergänzungsgriffe
- Flowsrichtung: stets zum Körperzentrum hin, um die Lymphe zur Hauptableitung (Vena jugularis / subclavia) zu führen
- Nachbereitung: Kompression (Bandagen oder Strümpfe), Bewegungsgymnastik, Hautpflege und ausreichende Flüssigkeitszufuhr zur Stabilisierung der Wirkung
Typische Sitzungsdauer: 30–60 Minuten. Häufig initial täglich (Phase 1), später nach Bedarf (Phase 2)
Risiken & Kontraindikationen
- Absolute: unbehandelte Krebserkrankungen, akute tiefe Beinvenenthrombose, schwere Herzinsuffizienz (NYHA III–IV), akute Infektionen (septisch, Fieber)
- Relative: Schilddrüsenüberfunktion, Hypotonie, Schwangerschaft oder Asthma – individuelle Risikoadjustierung nötig
- Lipödeme sind umstritten: Studienlage insgesamt schwach. In Einzelfällen kann MLD ergänzend sinnvoll sein, allerdings wird Kritik hinsichtlich Dauerhaftigkeit und Kosten-Nutzen-Verhältnis geäußert
Fazit
Die manuelle Lymphdrainage ist eine wissenschaftlich etablierte und medizinisch anerkannte Therapiemethode zur Behandlung von Schwellungen und Ödemen. Sie ist nur bei entsprechend geschultem Fachpersonal zulässig und sollte stets ärztlich indiziert sein. Der Erfolg hängt von regelmäßiger Anwendung, ergänzender Kompressionstherapie und Eigenbeteiligung ab. Bei chronischen Erkrankungen kann Langzeitbedarf bewilligt werden – wichtige Grundlage für kontinuierliche Behandlung mit minimaler Bürokratie